Schlechte Haltung in vier Monaten wegtrainiert

Haltungsschulung Vier Monate Kraft-, Dehn- und Koordinationstraining mit zwei Einheiten pro Woche reichen aus, um Haltungsschwächen bei Kindern und Jugendlichen weitgehend zu beheben. Das zeigt eine Studie im Rahmen der Aktion Kid-Check der Universität des Saarlandes.

Experten der Saar-Uni bekämpfen Haltungsschwächen bei Kindern

Von unserem Redakteur Martin Lindemann

Gut 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen fallen durch Haltungsschwächen auf, zum Beispiel starkes Hohlkreuz, hängende Schultern, vorstehenden Kopf, abstehende Schulterblätter, schief stehendes Becken. Die drei wesentlichen Ursachen für Haltungsdefizite sind zu schwache Muskulatur, schlecht gedehnte Muskulatur sowie fehlendes Körpergefühl, also das Unvermögen, die Muskulatur gezielt zu aktivieren. Zu diesen Ergebnissen sind Ärzte und Wissenschaftler der Universität des Saarlandes gekommen, die im Rahmen der Aktion Kid-Check seit nunmehr zehn Jahren Kinder und Jugendliche auf Haltungsschwächen und -schäden untersuchen.

Regelmäßig werden einige der auffälligen Jugendlichen in eine Trainingsgruppe aufgenommen. Die Fachleute haben ein Übungsprogramm entwickelt, mit dem die schwache Körperhaltung bekämpft wird. Zweimal pro Woche trainieren die Teilnehmer im Fitness-Studio „Training Center Wasserturm“ in Neunkirchen. Das Studio unter der Leitung von Jessica und Steven Sellers ist seit vielen Jahren Kooperationspartner des Kid-Check und stellt kostenlose Trainingsplätze für die ausgewählten Kinder und Jugendlichen bereit.

Zurzeit betreut der wissenschaftliche Leiter des Kid-Check, Dr. Oliver Ludwig, eine zehnköpfige Gruppe junger Sportler im Alter von 14 bis 16 Jahren. Die meisten davon sind Fußballspieler. Das Training umfasst neben Kraftübungen auch Dehnübungen, um die Muskelgruppen wieder geschmeidig zu machen, die durch stundenlanges Sitzen in der Schule, am Computer und vor dem Fernseher sowie mangelnde Bewegung verkürzen. Und da ein gutes Gleichgewichts- und Koordinationsvermögen wichtig ist, um die eigene Körperhaltung kontrollieren zu können, stehen auch Balancier-Übungen sowie Haltungs-Korrekturen vor dem Spiegel auf dem Programm.

Die Kid-Check-Experten befürworten ein Geräte-Training im Fitnessstudio. „An den Geräten können einzelne Muskeln gezielt trainiert, die Belastung genau dosiert und die Bewegungen exakt geführt werden“, sagt Oliver Ludwig. Jugendliche trainieren besonders motiviert, wenn sie die Maschinen benutzen dürfen. Nicht zuletzt stacheln das gemeinsame Training in der Gruppe und die Aussicht auf eine attraktivere Figur den Ehrgeiz der Jungen an. Die Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur bildet den Schwerpunkt des Krafttrainings. „Diese Muskeln sollten immer zuerst gestärkt werden. Das gilt für Kinder und Erwachsene“, erläutert der Sportwissenschaftler Dr. Michael Fröhlich von der Saar-Uni. Er ist im Kid-Check-Team der Experte für Krafttraining.

Um ein Hohlkreuz zu beseitigen, müssen vor allem Bauch, unterer Rücken und Gesäß über genügend Kraft und Geschmeidigkeit verfügen. Oliver Ludwig lässt seine Gruppe auch gezielt die obere Rückenmuskulatur trainieren, um die abstehenden Schulterblätter („Engelsflügel“) zu beseitigen, eine der häufigen Haltungsschwächen. Zudem stärken die jungen Sportler ihre Brustmuskulatur, die unter anderem wichtig ist, um den Brustkorb aufrecht zu halten und tief atmen zu können.

Das Krafttraining schließt noch eine Kräftigungsübung für die Abduktoren ein, die Muskeln an der Außenseite der Oberschenkel. Diese oft vernachlässigte Muskulatur ist wichtig, damit das Becken beim Gehen und Laufen nicht seitlich wegsinkt. Denn dadurch verschlechtert sich der Laufstil bis hin zu einem leichten Hinken, und beim Fußball nimmt die Schusspräzision ab. Zudem wird die untere Wirbelsäule stark belastet.

Zweiter Schwerpunkt des Trainings sind Dehnübungen. Verkürzte, schlecht gedehnte Muskeln schränken die Bewegungsfreiheit in den Gelenken ein. Ein Fußballspieler zum Beispiel, bei dem die Hüftbeugemuskulatur und die hintere Oberschenkmuskulatur verkürzt sind, kann sein Bein nicht voll strecken, was sich unter anderem negativ auf die Schussstärke auswirkt.

Zum Programm zählen auch Dehnungsübungen für die Hüftbeugemuskulatur, für die Brustmuskulatur sowie für die Adduktoren. Diese Muskeln an den Innenseiten der Oberschenkel sind besonders ausgeprägt, weil Fußballspieler den Ball häufig mit der Innenseite des Fußes, dem Innenrist, schießen. Kräftige Muskeln verkürzen jedoch, wenn sie nicht regelmäßig gedehnt werden. Die Oberschenkelknochen werden durch die Sehnen an den Enden der verkürzten Adduktoren-Muskulatur gespannt wie ein Flitzbogen. Dadurch kann sich die gerade Beinachse zum O-Bein verformen.

Da rund 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen nicht in der Lage sind, ihre schlechte Körperhaltung durch gezieltes Ansteuern der Muskulatur zu korrigieren, beinhaltet das Kid-Check-Training auch Gleichgewichts- und Koordinationsübungen.

 


Erschienen: 28.01.2010 / SZR / SBM_MAN / DWOH_5
Ressort: Spezial
Textname: VP.HP.fit.TC.ART1


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